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Trauer hat kein Verfallsdatum

NewsPosted by Roberta Fri, September 15, 2017 11:14:08
Der letzte Monat war nicht einfach. Die Wochen davor auch nicht. Mein Vater ist genau vor einem Monat von uns gegangen. Und der Weg zur Erlösung war ... tja, wie soll ich es sagen ... die Hölle?
Nach einem Monat sitze ich nun hier und blicke zurück. Vielleicht tue ich damit genau das Falsche. Man soll ja immer nach vorne blicken, nicht? Aber die letzten Wochen waren für mich enorm wichtig. Ich habe nämlich in mir drin ganz viele Antworten gefunden. Antworten auf Fragen, die ich gar nicht mal bewusst gestellt hatte. Und diese Antworten machen mich zu einem verdammt reichen Menschen.
Mir ist bewusst, dass ich erst am Anfang eines Prozesses stehe. Trauer ist ein langer Weg, auf dem man lernt das zu akzeptieren, was eigentlich unakzeptabel ist. Ich arbeite dran. Noch wechselt meine Einstellung oft und ziemlich drastisch. Mal glaube ich, den Tod meines Vaters NIEMALS akzeptieren zu können, mal fühle ich mich fast geheilt. Ich weiß nicht, ob ich alles richtig mache. Ob es gut ist, dass ich mich in seinen Pulli wickle, wenn ich schlafe. Oder ob es nicht alles noch schlimmer macht, wenn ich noch weitere Bilder von ihm aufstelle. Keine Ahnung. Auch darauf werde ich Antworten finden, keine Sorge.
Das Loch in meiner Brust wird bleiben. Mir ist das bewusst. Der winzige Teil von mir, der mit ihm gegangen ist, wird mir fehlen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Aber dieser winzige Teil hat nun Platz für Neues geschaffen. Das Leben ist nämlich trotzdem wunderschön. Und ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft mit sehr viel größerer Selbstsicherheit und vielleicht auch einem Quäntchen Egoismus gezielt nach den schönen Dingen greifen werde. Ich lasse ja sonst immer gerne anderen den Vortritt. Aber, hey, das muss ich gar nicht. Mir steht auch Schönes zu. Oder?

Zum Abschluss noch die für mich schönsten Worte, die jemals über den Tod geschrieben wurden. Von Henry Scott Holland:

"Tod bedeutet gar nichts. Ich bin nur nach nebenan verschwunden. Ich bin ich und du bist du. Was immer wir füreinander waren, das sind wir noch. Nenne mich bei dem alten vertrauten Namen. Sprich von mir, wie du es immer getan hast. Ändere nicht den Tonfall. Zwinge Dich nicht zu aufgesetzter Feierlichkeit oder Traurigkeit. Lache weiterhin über die kleinen Scherze, an denen wir gemeinsam Spaß hatten. Spiele, lächle, denke an mich, bete für mich. Lass meinen Namen weiterhin so geläufig sein, wie er immer war. Sprich ihn unbekümmert aus, ohne die Spur eines Schattens. Das Leben bedeutet all das, was es bisher beudetete. Es ist genauso wie immer. Es geht uneingeschränkt und ununterbrochen weiter. Ist der Tod nicht nur ein unbedeutender Zwischenfall? Warum sollte ich vergessen sein, nur weil du mich nicht mehr siehst? Ich warte einstweilen auf dich, ganz in der Nähe, nur um die Ecke. Alles ist gut."

Ja. Alles ist gut.